05.08.2009, 14:00 Uhr
OSLO. Es wäre ein Riesending für treue Fans, sicher auch für die Musikindustrie sowie schlagzeilenhungrige Medien: Michael Jackson soll posthum den Friedensnobelpreis 2010 bekommen.
Kein Preis für Tote
Die norwegischen Juroren aber winken sofort und entschieden ab: «Das ist völlig unmöglich, es wird diesen Preis nicht geben.» Der Preis könne in keinem Fall an Tote vergeben werden. Und außerdem seien nur ganz bestimmte Leute oder Gruppen, wie etwa frühere Nobelpreisträger, Parlamentsabgeordnete oder wissenschaftliche Institute berechtigt, Kandidaten zu nominieren.
Für kleinliche Paragrafen-Reiterei dürften das die Initiatoren der Jackson-Kampagne halten. Sie haben Höheres im Sinn und meinen, der mit 50 Jahren gestorbene «King of Pop» habe sich «sein Leben lang restlos und selbstlos für die weltweite Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern sowie der ganzen Menschheit hingegeben». Das sind große Worte, die mancher vielleicht auch mit Blick auf die Pädophilie-Vorwürfe gegen Jackson in Zweifel ziehen mag. Andererseits wurde der Sänger vor Gericht freigesprochen.
Hauptberufliche Unterhaltungskünstler hat es unter den Trägern des Friedensnobelpreises bisher noch nie gegeben. Mit den irischen Rocksängern Bono von U2 und Bob Geldof gehören aber immerhin zwei Jackson-Kollegen seit Jahren zum durchaus seriösen Teil des Kandidatenkreises, weil sie sich öffentlich für bessere Lebensbedingungen in armen Ländern einsetzen.
Dass Freunde, Fans und andere mit Unterschriftensammlungen Dampf für ihren jeweiligen Favoriten auf den mit zehn Millionen schwedischen Kronen (970 000 Euro) dotierten Preis machen, ist nichts Ungewöhnliches. «Es gehört zum Geschäft, hat aber nicht den geringsten Einfluss auf unsere Entscheidung», meinte der Direktor des Osloer Nobelinstitutes, Geir Lundestad, bei einem ähnlichen Anlass. Und fügte süffisant lächelnd hinzu, dass bis in die 40er Jahre ja auch solche Form von Lobby-Post für eine Preisvergabe an Adolf Hitler im Osloer Institut, Henrik-Ibsens-Gate 51, angekommen seien.
Dass 1961 mit dem früheren UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld ja doch schon mal ein Toter den Preis bekommen habe, wollen die norwegischen Juroren letztendlich auch nicht als Argument für Michael Jackson gelten lassen: Der Schwede war schon nominiert, als er bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz auf dem Weg in den Kongo starb. Und überdies habe man die Regeln danach noch einmal verschärft.
dpa
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