03.08.2009, 18:40 Uhr
Von Sina Gesell
BAD BERNECK. Er hat schon Bill Clinton und Tom Hanks die Hand geschüttelt, für den D-Day in der Normandie hat er die Moderations-Rede geschrieben. Jetzt hat er sich in Bad Berneck zur Ruhe gesetzt: David Stewart. KURIER online hat sich mit dem Kanadier über sein Leben und seine Arbeit unterhalten.

Es ist schwierig, David Stewarts Leben zusammenzufassen. Denn der Radio- und TV-Journalist hat viel erlebt. Aber von vorne:
Geboren ist Stewart in Kanada. Schon als 10-Jähriger wusste er, was er werden wollte: „Ich wollte nichts anderes machen als Radio- oder Fernsehmoderator“, sagt Stewart. Um sich seinen Traum zu erfüllen, wanderte er in die USA aus, ging anschließend nach Deutschland, lernte Deutsch und auch seine Frau Hedi aus Bärnreuth kennen. Nachdem er in Grafenwöhr seine Dienstzeit abgeleistet hatte, ging er mit seiner Familie zurück nach Amerika und besuchte in Manhatten die Rundfunkschule, bis er schließlich Fernsehen und Rundfunk an der University of South Carolina studierte. Seit 1966 ist Stewart offiziell US-Amerikaner. "Die US-Regierung ermöglichte mir meine Journalistenlaufbahn", sagt Stewart heute. Bald hat es ihn wieder nach Deutschland verschlagen: „Ich musste einen Sprachtest machen. Anscheinend war der nicht so gut, da ich nach Bremerhaven geschickt wurde.“
In Bremerhaven arbeitete er für die American Forces Network (AFN), eine Senderkette, die für US-amerikanische Streitkräfte gegründet wurde. Dort ist er gleich ins kalte
Wasser geworfen worden: „Ich war kaum zwei Wochen in Bremerhaven, da hatte ich ein Interview mit den Bee Gees.“ Auch wenn er sehr nervös gewesen ist, ließ er sich die Chance
nicht entgehen. „Zwei Jahre später habe ich sogar die Jackson Five interviewt.“ Und dann ging’s auf der Karriereleiter steil nach oben: Vom Ansager über Sportreporter
und Musikmoderator bis hin zum Senderchef.
„Seinen Stützpunkt“ musste Stewart aber nach einigen Jahren verlassen. Also ging er in den Siebzigern zu AFN nach Korea und lernte dort, „wie man Fernsehen macht“
– als Nachrichtenchef. Nach einem Jahr kehrte der heute 67-Jährige wieder zurück nach Deutschland und zog mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Kaiserslautern, wo er
weiterhin für AFN arbeitete.
Nach seiner AFN-Zeit landete er in Heidelberg: „Beim US-Presseamt in Heidelberg habe ich dann 22 Jahre gearbeitet“, sagt Stewart. Hier entdeckte er auch sein Interesse für die
Normandie: „Die Geschichte hat mich einfach fasziniert und so wurde ich zum Normandie-Spezialisten.“
Barack, Michelle und Co.
In der Normandie erreichte seine Karriere auch ihren Höhepunkt. Denn dort war er für die Hauptplanung der Jubiläumsfeier des D-Days zuständig. Der 6. Juni 1944 war der Tag, an dem die Alliierten in der Normandie landeten. „Schon zum 50. Jahrestag war ich in Omaha Beach und durfte mit dem damaligen Präsidenten Bill Clinton auf der Bühne stehen“, erzählt Stewart. „Damals war ich noch sehr aufgeregt.“ Danach war Stewart noch zweimal zum D-Day in der Normandie: zum 60. und 65. Jahrestag. Auch da stand er 2004 neben George W. Bush beziehungsweise 2009 neben Barack Obama und moderierte die Gedenkfeier. „Leider habe ich Obama nicht persönlich kennengelernt, habe aber mit seinen engsten Beratern aus dem Weißen Haus zusammengearbeitet“, sagt Stewart. Das musste er auch, musste doch die Moderations-Rede für die Zeremonie mit Washington abgestimmt werden. Barack Obamas Frau Michelle hat sich nach der Feier sogar bei Stewart für die schöne Feier bedankt und ihm die Hand geschüttelt. Neben Prinz Charles nahm auch der französiche Staatspräsident Nicolas Sarkozy nebst Gattin an der Gedenkfeier teil.
Aber Stewart hat noch weitere Prominente in seinem Leben kennen gelernt. Zur Premiere der zehnteiligen US-Fernsehproduktion „Band of Brothers – Wir waren wie Brüder“, die von Tom Hanks und Steven Spielberg produziert wurde, war Stewart für die Koordination der Medieninterviews zuständig. „Mit Tom Hanks habe ich ein paar Worte gewechselt, über seine Filme geplaudert. Er ist einer der bekanntesten, freundlichsten Stars“, meint Stewart. „Und er nimmt sich Zeit und gibt jedem, wirklich jedem, ein Autogramm.“
"Schöner Stützpunkt"
In Bad Berneck hat sich David Stewart schließlich zur Ruhe gesetzt. „Das Fichtelgebirge ist für mich ein Paradies“, sagt der 67-Jährige. „Ich liebe es, in die Therme zu gehen oder um den Weißenstädter See zu spazieren.“ Manchmal besucht er seinen Sohn, der an der Westküste in den USA lebt, seine Tochter ist in Deutschland geblieben. In seine Heimat nach Kanada verschlägt es ihn nur noch selten. „Ich vermisse Kanada nicht, meine Frau und ich haben in Bad Berneck einen schönen Stützpunkt gefunden“, sagt David Stewart. Blickt er auf sein bisheriges Leben zurück, er würde nichts anders machen. „Ich bin sehr dankbar für die Reise, die ich machen durfte.“
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