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28.07.2009, 12:56 Uhr

 

60 Millionen Euro für die Festspiele

Von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth will – gerade mit Blick auf das anstehende Wagner-Doppeljubiläum 2013 – noch mehr Anstrengungen unternehmen, um Geld für die Bayreuther Festspiele aufzutreiben. Das betonte der neue Freunde-Chef Dr. Peter Gloystein gestern vor der Presse in Bayreuth.

 

Dazu soll die Mäzenatenvereinigung, die am 22. September 2009 60 Jahre alt wird, neu aufgestellt werden. So hat der neue Freunde-Vorstand bereits im Mai eine GmbH gegründet, mit deren Hilfe auch Großunternehmen im In- und Ausland angesprochen werden sollen. Wie Ulrich Andreas Vogt, Geschäftsführer der Servicegesellschaft der Freunde von Bayreuth, ausführte, seien in den nächsten fünf Jahren Promotiontouren in wichtige deutsche und europäische Städte geplant, um neue Sponsoren für Bayreuth zu gewinnen und das Fundraising zu optimieren, wie Vogt sagte: „Wir müssen verstärkt für Bayreuth werben.“

Die Freunde haben im Lauf ihrer 60-jährigen Geschichte zahlreiche Veränderungen erlebt, eines aber ist stets gleich geblieben: die Entschlossenheit, den Wagner-Festspielen in Bayreuth das nötige Geld für anspruchsvolle Kunst zu beschaffen. Wie Professor Hans-Ludwig Grüschow vor Medienvertretern betonte, seien in den zurückliegenden 60 Jahren knapp 40 Millionen Euro für technische Neuerungen bei den Festspielen aufgebracht worden; von diesem Geld sei, unter anderem der Chorsaal, eine neue Schlosserei, die Unterbodenmaschinerie, ein neuer Bühnenboden, die Sanierung von Dächern und eine Bestuhlung des Zuschauerraums finanziert worden. Darüber hinaus hätten die Freunde rund 21 Millionen Euro für den künstlerischen Spielbetrieb, für Gagen, Bühnenbilder und Kostüme an die Festspielleitung überwiesen. Zuletzt sei auch der Start des Kinderoper-Projekts mit 200 000 Euro ermöglicht worden.

Auch für das laufende Jahr hat die Mäzenatenvereinigung, die sich sehr bewusst nicht in künstlerische Belange einmischen will, die Schatulle weit geöffnet. Neben Investitionskosten in Höhe von rund 3,1 Millionen Euro seien auch wieder 700 000 Euro für den Spielbetrieb bereitgestellt worden. Zwar sei es gelungen, rund eine Million Euro für Investitionen ins kommende Jahr zu retten, insgesamt aber rechnet Gloystein für 2010 mit noch höheren Kosten: „Die Anforderungen an uns und die anderen Gesellschafter der Festspiele werden steigen.“ Man rechne mit deutlich mehr Zuwendungsbedarf. Zum einen aufgrund der Ergebnisse der Tarifverhandlungen, zum anderen wegen der dringend erforderlichen Vorhaben wie dem Neubau einer neuen Probebühne und Mehrzweckhalle. Welche Summe genau die Freunde im kommenden Jahr aufbringen müssen, stehe derzeit noch nicht fest, weil die erforderlichen Eckdaten noch fehlten. Wie viel Geld die Freunde auf der hohen Kante haben, wollte Gloystein nicht sagen. Nur so weit wollte er gehen: „Einiges.“

Die Freunde haben aktuell 5250 Mitglieder in 40 Ländern, darunter 250 Nachwuchsmäzene unter 36 Jahren. Der neue Freunde-Vorstand räumte auf Nachfrage ein, dass die Mitgliederzahl derzeit „stagniere“. Man arbeite aber daran, nicht neue Mitglieder zu gewinnen, sondern die bestehenden besser zu betreuen. So soll es „mehr Information und Transparenz“ (Vogt) nicht nur zur Festspielzeit, sondern das ganze Jahr über geben.

Ausdrücklich begrüßt wird vom Freunde-Vorstand die Initiative zur Aufarbeitung der Festspielgeschichte – speziell während der Nazizeit. Es gebe hier mehrere Initiativen; man wolle darüber aber augenblicklich noch nicht reden.

Wie die Freunde mitteilen, haben sich Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner für 2013 viel vorgenommen: „Zurzeit werden unter Leitung der Geschäftsführerinnen der Festspiele GmbH unterschiedliche Architektenentwürfe angelegt und überprüft.“ Es brauche eine „maßgebliche Erweiterung der Probensituation“. Sobald das Gesamtkonzept verabschiedet sei, „wird es die Aufgabe der ... Freunde sein, für die Umsetzung und Realisierung zu sorgen“.

Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth ist seit dem Rücktritt von Wolfgang Wagner zum 1. September 2008 einer von vier Gesellschaftern der Festspiele. Sie hält einen Anteil von 25 Prozent, die restlichen Anteile verteilen sich auf den Bund, den Freistaat und die Stadt Bayreuth. Der frühere Freunde-Vorsitzende Karl Gerhardt Schmidt, jetzt Ehrenmitglied des Vereins, bleibt bis Anfang 2010 stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Festspiele; danach soll Peter Gloystein diese Funktion übernehmen.



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