Am 25. Juli soll sich der Vorhang für die 98. Richard-Wagner-Festspiele heben - am Nachmittag treten im Festspielhaus die Industriegewerkschaft Verdi und die Vertreter der Bayreuther Festspiele zur vermutlich entscheidenden Tarifrunde „Bühnentechnik“ zusammen. Foto: Nawrath
Dabei ist eines zwischen den Verhandlungspartnern absolut unstrittig: Die rund 120 Bühnentechniker, die in Bayreuth dauerhaft oder saisonal beschäftigt sind, sollen mehr Geld bekommen.
Über Jahre hinweg mussten sie darben, gab es für sie keinen Mehrwert mehr im Geldbeutel. Und von der Kunst allein lebt sich’s bekanntlich verdammt schlecht.
Nun haben Tarifverhandlungen häufig eine Eigendynamik, die sich schwer vorhersagen lässt. Dann zumal, wenn – wie im Falle der Bayreuther Festspiele – die Druckkulisse von Tag
zu Tag größer wird. Denn am 25. Juli soll sich der Vorhang für die 98. Richard-Wagner-Festspiele heben. Und die ganze Kulturwelt schaut nach Bayreuth. Oder schaut – wie die
Bundeskanzlerin – in Bayreuth.
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MEINUNG
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Gert-Dieter Meier
Redaktionsleiter
Nordbayerischer KURIER
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Auf den ersten Blick scheint daher Verdi in diesem Poker um Penunzen die besseren Trümpfe in der Hand zu halten. Die Gewerkschafter haben nur das berechtigte Interesse der schwarzen
Männer und Frauen vom Grünen Hügel zu vertreten, müssen ansonsten (fast) nichts anderes berücksichtigen. Zwar kommt auch vonseiten der Gewerkschaft schnell der Hinweis,
dass man eigentlich nicht streiken, sondern (Wagner) spielen wolle. Aber eben doch streikbereit sei für den Fall der Fälle. Was eigentlich nicht zu beweisen war, am Montag gleichwohl
nachgewiesen wurde: Die „Meistersinger“- Generalprobe begann mit 30-minütiger Verspätung. Verdis letzte Warnung an die Wagners ...
Der Druck liegt eindeutig aufseiten der Arbeitgeber. Das sind, vordergründig, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, die die Festspiele leiten und die Bühnentechniker anstellen. Aber
nicht am Verhandlungstisch sitzen und auch keinerlei Spielräume in Sachen Lohngefüge haben. Dahinter freilich stehen die neuen Gesellschafter dieser Festspiele, stehen Bund, Land, Stadt
und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Und dieses neue Konstrukt ist auch für den komplizierten und zeitaufwendigen Ablauf dieser Tarifverhandlungen verantwortlich. Weil jeder
Zentimeter, den die Festspiele nachgeben (oder besser: entgegenkommen), wieder neu abgestimmt werden muss. Was in einem so komplexen Beziehungsgeflecht mit mehreren Rechnungshöfen im Kreuz
alles andere als einfach ist.
Die Öffentlichkeit, die Bayreuther zumal, erwartet gleichwohl nur eines: ein Ergebnis! Denn es wäre kaum weniger als eine Katastrophe, wenn der Vorhang am Samstag geschlossen bliebe.
Für die Festspiele wäre es im Jahr eins nach Wolfgang Wagner ein gewaltiger Imageschaden, für die Gewerkschaft eine herbe Niederlage, für Stadt und Region ein Super-GAU. Deshalb
sollten Frau Merkel, Herr Seehofer und Herr Hohl auf der einen und Herr Bsirske auf der anderen Seite denen, die heute am Verhandlungstisch sitzen, die Freiräume zugestehen, die es in solchen
Verhandlungen nun mal braucht. Sie sollten ihre Unterhändler freilich auch anhalten, den Tarifvertrag endlich in trockene Tücher zu bringen. Oder, frei nach Richard Wagner: Kinder,
schafft Fakten!