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21.07.2009, 11:02 Uhr

 

Wagner für Anfänger

Von Florian Zinnecker

BAYREUTH. Gerade stand Anna Gabler noch bei ihren Kollegen und war ein bisschen erkältet. Und jetzt, nur einen Augenblick später, heißt sie Senta und ist verliebt.

 

Er führt durch die Handlung mit Ringelhemd, Schiffermütze und jeder Menge Seemanssgarn: Jupp Saile als Steuermann. Foto: Nawrath
Gerade stand Anna Gabler noch bei ihren Kollegen und war ein bisschen erkältet. Und jetzt, nur einen Augenblick später, heißt sie Senta und ist verliebt. In einen Mann, der Holländer heißt und behauptet, er komme aus Holland, obwohl er mit eindeutig russischem Akzent spricht. Wenn er singt, ist der Akzent dann aber verschwunden. Sehr verwirrend, das alles.

Grüner Hügel, einDienstagnachmittag im Juli. „Test unter Realbedingungen“ nennt Alexander Busche das, was sich hier heute abspielt. Getestet wird: Wie kommt der „Fliegende Holländer“, der in einer Bearbeitung für Kinder bei den diesjährigen Festspielen in jeder Hinsicht Premiere feiert, bei Kindern an?

Zwei Steuermänner

Busche, im Hauptberuf Geschäftsführer der BF Medien GmbH, ist – neben Richard Wagner – Autor dieses „Holländers“, die musikalische Bearbeitung besorgt Christoph Ulrich Meier (siehe unten stehendes Interview). Weiterhin beteiligt sind: der Seefahrer Daland, seine Tochter Senta, deren Verlobter Erik, der schon erwähnte Holländer samt Mannschaft, Dalands Mannschaft, deren Verlobte, und der Steuermann. Besser gesagt: zwei Steuermänner – der eine aus der Geschichte, und der andere, der heute diese Geschichte erzählt. „Das bin ich vor 50 Jahren“, stellt der alte Steuermann – alias Jupp Saile – den jungen vor. „Glaubt ihr nicht? Ich wundere mich selbst. Vor allem wusste ich nicht, dass ich so schön singen konnte.“

Die Zuschauerränge auf der Probebühne IV sind heute zum ersten Mal nicht leer: Wie bei den Aufführungen sitzen hier heute Kinder aus Bayreuther Schulen. So viele, dass sich daraus problemlos ein paar Fußballmannschaften aufstellen ließen. Alle im Kinderoper-Zielgruppen-Alter zwischen sechs und zehn Jahren.

Im Anschluss an die Probe wird Busche sagen, dass der Test erfolgreich verlaufen ist. „An manchen Stellen mussten wir improvisieren, manches müssen wir noch ändern, aber die Pointen haben gezündet – alles ist gut.“ Vor der Probe sagt er gar nichts, sondern setzt sich hinter das Regiepult. Und macht dort, zumindest sieht es von fern so aus, genauso große Augen wie die eingeladenen Kinder.

Zuschauer an Windmaschine

Der Spielort, die einstige Probebühne IV zwischen Pförtnerkabäuschen, Kantine und Orchestertrakt, wurde zu einem kleinen, aber feinen Kindertheater umgebaut: Die Zuschauer sitzen auf Stufen, es gibt eine bespielbare Treppe, die Distanz zur Bühne ist gleich null. Eine besondere Attraktion: die Windmaschine, die Dalands Mannschaft den Sturm bläst. In der Probe durften das zwei Zuschauer machen: „Wir brauchen einen kräftigen Jungen. Und ein couragiertes Mädchen“, lockte der alte Steuermann. Doch irgendetwas klappte nicht, und so hieß es im Anschluss: „Vielen Dank euch beiden, ihr wart klasse, aber das machen wir nie wieder.“ Das muss Busche gemeint haben, als er von Improvisation und Änderungsbedarf sprach.

Bevor das Arbeitslicht gelöscht wird und die Scheinwerfer aufleuchten, wird der Regisseur Alvaro Schoeck noch kurz grundsätzlich. „Was wir hier machen, ist eine Probe. Es kann sein, dass wir unterbrechen und vielleicht eine Stelle wiederholen müssen.“ Außerdem, erklärt Schoeck, gibt es auch ein paar Unterschiede. „Ein paar Sänger tragen noch ihre Alltagsklamotten, weil ihre Kostüme noch nicht fertig geschneidert sind. Die Anna, die gleich die Senta spielen wird, ist heute nicht recht bei Stimme und wird nur markieren.“

Ein Ein-Frau-Orchester

„Der hier“, sagt Schoeck, „ist der Jupp, den werdet ihr gleich kennenlernen. Bei einer Aufführung würde der jetzt natürlich nicht hier sitzen, sondern von Anfang an auf seinem Seesack liegen und schlafen.“ Und: „Bei der Aufführung haben wir dann ein richtiges kleines Orchester, heute proben wir mit einem Ein-Frau-Orchester Nadja. Nadja, steh einmal auf.“ Nadja, das Ein-Frau-Orchester, steht auf, es gibt Applaus. Dann wird das Licht dunkel. Und es geht los.




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