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14.07.2009, 17:09 Uhr

 

Eine Schlappe nach der anderen

Von Jakob Struller

4,84 Prozent, 5,44 Prozent: Über derart kleine Zahlen spricht man normalerweise nicht, wenn es um Wahlbeteiligungen geht. Bei Jugendgremien aber scheinen solche Werte durchaus normal zu sein. Bei der Wahl zum Bayreuther Jugendparlament wurden gerade mal 133 Stimmen abgegeben. Bis Freitag noch wird in Hollfeld der Jugendstadtrat gewählt. Und besser als in Bayreuth läuft es bisher nicht unbedingt.

 

Da waren’s noch 20: Der Hollfelder Jugendstadtrat, wie er im Jahr 2008 aussah. Danach wurde die Mitgliederzahl von 20 auf zwölf reduziert. Foto: Archiv/Leikam
Den Hollfelder Jugendstadtrat gibt es bereits seit sechs Jahren. In dieser Woche wird das Gremium bereits zum vierten Mal gewählt. Allerdings etwas später, als ursprünglich geplant. „Wir wollten schon Mitte Juni wählen“, sagt Mathias Arneth, der zuständige Mitarbeiter im Rathaus. Aber der Bewerbungsschluss für die Kandidaten wurde verschoben – ähnlich wie in Bayreuth. Der Grund: „Wir hatten Ende Mai erst 13 Bewerber“, erklärt Arneth. Also nur einen Bewerber mehr, als es Sitze im Jugendstadtrat gibt. Aber auch bis zum zweiten Bewerbungsschluss am 3. Juli meldete sich niemand mehr.

Neues Wahlverfahren



Bei dieser Wahl läuft es in Hollfeld anders ab, als in den Jahren zuvor: „Wir haben das Wahlverfahren komplett geändert“, erklärt Florian Daschner, der zweite Jugendbürgermeister von Hollfeld. Tatsächlich wurden bei den ersten drei Wahlen alle Hollfelder Jugendliche in die Stadthalle eingeladen. Dort konnte sich jeder, der kandidieren wollte, kurz vorstellen. Ohne Voranmeldung. Danach wurde direkt gewählt. „Da kamen wir immer so auf 25 bis 30 abgegebene Stimmen“, sagt Arneth. Jetzt läuft die Wahl anders: Kandidaten mussten sich schriftlich und mit Bild bewerben, gewählt wird eine Woche lang. Drei Tage steht die Urne in der Gesamtschule Hollfeld und zwei Tage im Rathaus. Gewählt werden zwölf Jugendstadträte. Ebenfalls eine Neuerung, denn bisher waren es 20. Diese Änderung war so nötig, dass sie bereits während der vergangenen Legislaturperiode umgesetzt wurde: „Von den 20 Jugendstadträten waren bei den meisten Sitzungen so wenige, dass wir gar nicht mehr beschlussfähig waren“, erzählt Arneth im Gespräch mit x-bay. Also wurde das Parlament kurzerhand verkleinert. „Laut Satzung verliert jeder sein Mandat, der dreimal unentschuldigt fehlt“, sagt Daschner. Somit war es zumindest rechtlich kein Problem, den Jugendstadtrat zu reduzieren. Stimmungsmäßig hingegen befand sich das Gremium in einem Tief: „Wir waren teilweise nur zu viert bei den Sitzungen“, erzählt Daschner. Jetzt hofft er, dass das Konzept mit zwölf Jugendstadträten besser funktioniert.

Dem Schwund der Parlamentarier folgte das Desinteresse der Kandidaten. Und jetzt fehlen die Wähler: 17 Stimmen wurden bis Mittwochabend abgegeben. Bei 351 Wahlberechtigten wären das 4,84 Prozent. Natürlich können im Laufe der Woche noch einige Stimmen dazu kommen. Die Chancen aber, dass Hollfeld eine wesentlich höhere Wahlbeteiligung als Bayreuth (5,44 Prozent) erreicht, stehen schlecht.

Kein Interesse

an Politik?



Warum nicht mehr Jugendliche an die Urne wollen, ist den Verantwortlichen insgesamt ein Rätsel. „Ich glaube, es gibt einfach kaum noch Jugendliche, die sich irgendwie politisch interessieren“, sagt Theresa Rost, Stadträtin und ehemalige Jugendstadträtin in Hollfeld. In Bayreuth sieht man das Problem vor allem darin, dass die Aktivitäten des Jugendparlaments nicht „zu den Jugendlichen durchdringen“, wie Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl am Dienstag sagte. Ein ähnliches Problem erkennt Rost auch in Hollfeld: „Viele glauben, der Jugendstadtrat wird nicht ernst genommen.“ Dabei habe sie zusammen mit Stadtrat Markus Täuber erst kürzlich ein Rederecht für den Jugendstadtrat im „großen“ Stadtrat durchgesetzt. Aber auch der zweite Jugendbürgermeister Florian findet, dass der Stadtrat das Gremium besser hätte unterstützen können. So sei in den letzten Jahren „nicht viel gegangen“, wie er sagt. Das wirke sich natürlich auch auf das Interesse der Jugendlichen aus. Aber auch er glaubt, dass grundsätzlich wenig Interesse an Einrichtungen wie dem Jugendstadtrat vorhanden ist. Weniger pessimistisch zeigen sich der Bayreuther Oberbürgermeister Hohl und Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch. Sie wollen trotz der schlechten Resonanz „nicht den Kopf in den Sand stecken“, so Hohl gestern. Und auch Barwisch ist zuversichtlich: „Wir müssen jetzt Mut beweisen und das durchziehen.“

Und wer weiß? Vielleicht zeigen die Hollfelder ja mehr Interesse als die Bayreuther. Sie haben ja schließlich noch heute und morgen Zeit, ihre Stimme abzugeben.



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