09.05.2009, 07:01 Uhr
Von Gert-Dieter Meier
BAYREUTH. Die Stadt Bayreuth wird sich von ihrem Kulturreferenten Ralph Lange trennen. In der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung hat der Stadtrat den Bayreuther Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl einstimmig ermächtigt, Lange die Kündigung zum 30. Juni 2009 auszusprechen. Das erfuhr der KURIER aus zuverlässiger Quelle.
Eine offizielle Bestätigung der Hintergründe von Langes Kündigung und der vorausgegangenen Gespräche gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. So gut wie alle Ansprechpartner, die der KURIER kontaktiert hat, wollen sich offiziell in dieser Angelegenheit nicht äußern. Sie verweisen dabei auf ein schwebendes Verfahren – und eine sich anbahnende juristische Auseinandersetzung.
Einstimmig für die Kündigung
Fakt ist, dass die Stadt sich von Lange trennen will und wird. Alle Versuche, zu einer gütlichen Einigung zu kommen und sich ohne Einschaltung eines Gerichts beispielsweise über den Weg
der Aufhebung des Arbeitsvertrages zu trennen, sind bislang fehlgeschlagen. Aus diesem Grund hat der Stadtrat jetzt einer Kündigung zum 30. Juni 2009 zugestimmt. Ein Sitzungsteilnehmer zum
KURIER: „Die Entscheidung fiel einstimmig. Es wurde noch nicht einmal diskutiert.“ Binnen weniger Minuten soll die Sache vom Tisch gewesen sein.
Bei dieser Vorgeschichte kein Wunder: Lange, seit 1. März 2007 Referent für Kultur und Tourismus bei der Stadt Bayreuth, hat sich seit seinem Amtsantritt um viele kleine Dinge wie den
öffentlichen Bücherschrank, einen YouTube-Wettbewerb oder einen Namenswettbewerb für einen Radweg zwischen Uni und Innenstadt gekümmert, eine neue Ausrichtung oder gar
Blüte der Kulturpolitik aber wird man mit seinem Namen kaum in Verbindung bringen. Der Heilsbringer in Sachen Kultur, für den ihn viele zunächst hielten, war er nicht.
Und als dann noch ruchbar wurde, dass es den Mann, der nicht müde wurde zu betonen, dass er die Stärken der hiesigen Kulturszene stärken und die Kultur von unten befeuern wolle, mit Macht von Bayreuth weg zieht, wurde die Kritik an Lange immer lauter. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein Referent einer Stadtverwaltung sich keine zwei Jahre nach Amtsantritt gleich zweimal um vergleichbare Posten in Leipzig und Magdeburg bewirbt. Vor allem im Stadtrat fragten sich viele spätestens jetzt, ob es Lange mit der Wahrnehmung der Bayreuther Kulturinteressen noch ernst sei.
Sand im Getriebe
Um so mehr, als es auch im Innenverhältnis der Kulturschaffenden in der Bayreuther Stadtverwaltung zunehmend knirschte. So weigerten sich zuletzt sieben Dienststellenleiter aus Bayreuth,
sich von Lange fachlich beurteilen zu lassen. Es waren dieselben Kulturschaffenden, die zuvor schon darauf verwiesen hatten, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Lenker Lange und den
Dienststellen, die er zu verantworten hat, sagen wir’s vorsichtig: suboptimal sei.
Vor diesem Hintergrund und der Jahrhundertherausforderung „Wagner-Jubiläum 2013“ blieb der Verwaltungsspitze letztlich nichts anderes übrig als die Reißleine zu ziehen.
Das Vertrauensverhältnis zwischen Stadt und Lange einerseits, den Mitarbeitern und Lange andererseits, ist so massiv gestört, dass eine gedeihliche Zusammenarbeit kaum noch möglich
erscheint. Zumal es ja auch schon einen Workshop mit Lange und der Bayreuther Kulturspitze gab mit dem Ziel einer besseren Zusammenarbeit. Ergebnis? Keines!
Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl gab sich gegenüber dem KURIER mit Blick auf das laufende Verfahren sehr zurückhaltend. Zur Kündigung der Stadt sagte er nur:
„Ich dementiere nicht!“
Vor allem Hohl wird die jetzt ausgesprochene Kündigung schmerzen. Denn er hielt lange große Stücke auf den gebürtigen Bonner, der unter anderem am Berklee College in
Boston/USA studiert, später am Konservatorium Schwerin unterrichtet und zuletzt als Direktor der Musikschule Region Neu-Ulm gearbeitet hat. Lange war zudem der erste Referent, der in
Bayreuth in Zusammenarbeit mit einer Personalserviceagentur ausgewählt worden war.
Lange ist im Besitz eines unbefristeten Arbeitsvertrages. Er ist allerdings kein Beamter, sondern bei der Stadt angestellt. Insofern ist auch eine Kündigung grundsätzlich möglich.
Ob diese auch gerechtfertigt ist, muss möglicherweise ein Arbeitsgericht entscheiden. Lange jedenfalls, so ist zu hören, hat bereits einen Anwalt eingeschaltet. Freilich wird noch immer
versucht eine gütliche Einigung zu erzielen.
Sobald die Trennung von Lange vollzogen ist, soll die Stelle des Kulturreferenten nach KURIER-Informationen neu ausgeschrieben werden. Ob dann abermals eine Doppelaufgabe ausgeschrieben wird (Kultur und Tourismus oder andere Referatszuschnitte), steht offenbar nicht fest. Es gibt wohl auch Befürworter einer „einfachen“ Lösung. Lieber einen Referenten, der sich auf den Bereich Kultur konzentriert. Und sonst gar nichts.
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