24.04.2009, 16:54 Uhr
Von Susanne Lindner
BAYREUTH. In der Öffentlichkeit wird Doping meist als Problem des Hochleistungssports angesehen. Dabei hat die Einnahme leistungssteigernder Produkte laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) längst Einzug in den Breitensport gehalten, aber auch – unter anderem in Form von Energy-Drinks, Medikamenten oder Amphetaminen in den Alltag von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern.
„Die Tendenz geht dahin, dass immer mehr Menschen legale oder illegale Mittel konsumieren“, sagt Christa Merfert-Diete, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der DHS. „So versuchen sie den alltäglichen Belastungen Stand zu halten und im Anschluss wieder Entspannung zu finden.“
Hierzu würden meist anregende Amphetamine und anschließend dämpfende Medikamente wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingenommen. „Wenn Patienten in der Arztpraxis klagen, dass sie nicht zur Ruhe kommen, bekommen sie heute schnell die entsprechenden Medikamente verschrieben“, sagt Merfert-Diete. Die Gefahr: Schnell könne aus der gelegentlichen Einnahme eine Abhängigkeit entstehen. Um dieser entgegenzuwirken müsse jeder Mensch für eine gewisse Balance in seinem Leben sorgen. Merfert-Diete: „Man kann auch anders mit Belastungen umgehen. Wenn ich bei Kopfschmerzen immer gleich zur Tablette greife, ist das schlecht. Vielleicht wären eine kurze Pause oder ein bisschen frische Luft wirksame Alternativen.“
Auf der Grundlage bundesweiter Repräsentativerhebungen zum Konsum und Missbrauch psychoaktiver Substanzen geht die DHS bei einer Schätzung von 1,9 Millionen Arzneimittelabhängigen aus. Der Großteil davon sind Frauen. Viele würden auch durch ärztlich verschriebene Medikamente, die zu lange und in zu hoher Dosierung verschrieben werden, in die Abhängigkeit geraten. Der Markt für Medikamente und Life-Style-Produkte sei lukrativ und stelle eine Wachstumsbranche dar. So wurden nach dem letzten Stand der DHS im Jahr 2004 in Deutschland 1,49 Milliarden Arzneimittelpakungen verkauft. Etwa 39 Prozent der Packungen wurden ohne Rezept in Apotheken erworben, sechs Prozent in Supermärkten.
Die Dunkelziffer ist hoch
Nach Aussage von Urte Deisenhofer, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen in Bayreuth, habe es die Einnahme von Medikamenten im Alltag schon immer gegeben. Diese Sucht habe nur nie stark in der Öffentlichkeit gestanden. Bei der Medikamentensucht handle es sich um eine „versteckte Sucht. Man sieht es den Leuten nicht direkt an.“ Oft falle es erst auf, wenn jemand zusammenbricht.
Von 2044 Klienten, die die Suchtberatungsstellen Bayreuth, Kulmbach und Pegnitz im Jahr 2008 betreuten, hatten laut dem Jahresbericht 978 Klienten Probleme mit Alkohol oder Medikamenten. „Oft geschieht die Einnahme von Medikamenten im Verborgenen oder in Kombination mit Alkohol“, sagt Deisenhofer. „Die Dunkelziffer ist hoch.“
Schuld an dem leichten Zugang zu Medikamenten seien laut Deisenhofer auch einige Ärzte: „Wer es darauf anlegt, kann leicht einen Arzt finden, der ihm das gewünschte Medikament verschreibt.“ Aber auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente könnten bei regelmäßiger Einnahme durchaus gefährlich werden.
"Der Schwarzmarkt boomt"
Doch welche Aufputsch- oder Beruhigungsmittel gibt es und wie wirken sie? Koffein-Tabletten sind laut Monika Weiß, pharmazeutisch-technische Angestellte der Adler Apotheke Bayreuth, nicht verschreibungspflichtig und werden häufig von Jugendlichen gekauft. "Eine Tablette wirkt ungefähr so wie fünf Tassen Kaffee", sagt Weiß. "Jugendliche nehmen die Tabletten oft in Kombination mit Guarana-Kaugummis, wenn sie eine Nacht durchfeiern wollen." Besonders wenn es aufs Wochenende zugeht, steige die Nachfrage nach den Tabletten an.
Wesentlich schwieriger ist es, an das Betäubungsmittel Ritalin heranzukommen: "Ritalin bekommt man nur mit einem speziellen Betäubungsmittel-Rezept, das zum Beispiel Internisten oder Kinderärzte ausstellen können, und nur in einer begrenzten Menge", erklärt Weiß. Das Mittel werde häufig für hyperaktive Kinder verwendet. Erwachsene nehmen das Psychopharmakum laut Weiß als Dopingmittel. "Ritalin macht schnell süchtig und hat immense Nebenwirkungen."
Auch das sogenannte Ephedrin, das dem Körper laut Weiß vorgaukelt, dass es ihm gut geht, ist nicht mehr frei verkäuflich und wird nur auf Rezept herausgegeben. Dennoch würden noch manche Grippemittel den Wirkstoff enthalten. Die "Ersatzdroge" Kodein sei ebenfalls verschreibungspflichtig. "Freiverkäuflich gibt es fast nichts", sagt Weiß. "Aber der Schwarzmarkt boomt."
Dies ist eine Nachricht aus unserem Archiv.
Es können daher keine neuen Kommentare verfasst werden.
| BBC-Spieler Ekene Ibekwe trifft jungen Fan 08.02.2012 |
![]() |
BBC Bayreuth kämpft Alba Berlin nieder 15.01.2012 zum Video |
![]() |
EHC Bayreuth schlägt Weiden deutlich im Derby 15.01.2012 zum Video |
![]() |
BBC Bayreuth: van den Berg schimpft nach Pleite 05.02.2012 zum Video |
![]() |
Sport1 live beim BBC Bayreuth 18.01.2012 zum Video |
![]() |
Kurier-Model-Wahl 2012: Finalisten werden gestylt 31.01.2012 zum Video |
Der Winter kam doch noch. Draußen ist es bitterkalt. Gefällt Ihnen das Wetter oder hätten Sie es lieber wärmer?