23.03.2009, 18:04 Uhr
BAYREUTH. Bei einem Festakt wird Unipräsident Professor Helmut Ruppert heute offiziell verabschiedet. Mehr als elf Jahre hat der 68-Jährige als vierter Präsident in der Geschichte die Bayreuther Hochschule geleitet. Seine Amtszeit endet am 31. März. Die Amtskette gibt er heute an seinen Nachfolger Professor Rüdiger Bormann weiter. Im Gespräch mit KURIER-Redakteur Christian Martens zieht der gebürtige Oberfranke Bilanz.
Frage: Sie geben heute die Amtskette weiter. Was waren Ihre Gedanken, als Ihnen die Kette 1997 umgehängt wurde?
Ruppert: Als ich begonnen habe, gab es keinen formellen Akt zur Übergabe der Amtskette. Mir wurde der Schlüssel überreicht, was vergleichbar ist. Wenn man die
Verantwortung für die Universität bekommt, macht man sich natürlich Gedanken: Was will man bewirken? Zunächst einmal geht es beim Amt des Präsidenten um die Sicherung des
Bestehenden. Im zweiten Schritt geht es darum, Initiativen in Richtung Konzentration von Forschung und Lehre, Profilsetzung, besserer Ar-beitsbedingungen voranzubringen und natürlich um die
gestalterische Tätigkeit in Wissenschafts- und Hochschulpolitik. Das sind die Punkte, die ich schon vor elfeinhalb Jahren bei meiner Wahl angesprochen habe.
Frage: Sie haben als Präsident drei Wissenschaftsminister erlebt. Was hat sich verändert?
Ruppert: Der Kontakt mit den Ministern ist zwar wichtig, aber Minister kommen und gehen. Die Kooperation mit der Ministerialbürokratie ist entscheidend. Dort sitzen die
über viele Jahre bewährten Sachkundigen. Die Universitäten sind in ihren Entscheidungen freier und autonomer geworden.
Frage: Eine Voraussetzung auch für den zunehmenden Wettbewerb?
Ruppert: Die klare Linie in der Wissenschafts- und Hochschulpolitik ist: Konzentration, Schwerpunkt- und Profilbildung. Die Universität muss sich selber klar sein: Wo geht
es in der Forschung hin? Welche Studiengänge und Promotionsprogramme werden entwickelt? Das macht sie teilweise in Konkurrenz um Studenten, Doktoranden, Mitarbeiter und Drittmittel in der
Forschung zu den anderen Hochschulen. Unterschiede entstehen vorrangig durch autonome Regelungen.
Frage: Haben sich die Anforderungen an die Studenten seit Ende der 90er Jahre verändert?
Ruppert: Die Studierfähigkeit damals und heute ist gleich zu bewerten. Es gelten die dieselben Kriterien. Der Unterschied ist, dass die Studenten 1997 noch in bundesweit
vorgegebenen Strukturen studiert haben. Der große Wandel kam mit den Bachelor-Studiengängen und der Orientierung an den Forschungsprofilen der Universität. Studierende müssen
sich nun bewusst für einen Studiengang entscheiden. Hinzu kommt, dass wir in der Zwischenzeit für viele Studiengänge Eignungsfeststellungen durchführen. Seit 2007 werden
Studienbeiträge verlangt. Das hat noch zusätzliche Verantwortung der Studenten für ihr eigenes Studium gebracht. Mit der gestiegenen Teilhabe haben auch die
Verbesserungsvorschläge der Studenten zugenommen. Das hat es vorher nicht gegeben.
Frage: Welche Herausforderungen warten auf die Uni Bayreuth?
Ruppert: Wir müssen die steigenden Studierendenzahlen bewältigen. Wir werden an der Uni Bayreuth statt jetzt etwas über 9000 bis 2015 etwa 11 000 Studierende
haben. Wir werden sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in den zentralen Einrichtungen eine Personalausweitung haben. Die Konkurrenzsituation wird noch stärker werden. Was noch
kommen wird, und da sehe ich meinen Nachfolger sehr gut gerüstet, ist eine noch weitergehende Vernetzung zwischen Universität und der Wirtschaft.
Frage: Welches war Ihre schwierigste Entscheidung als Präsident?
Ruppert: Im Rückblick die schwierigste Entscheidung war die Aufgabe der Grund- und Hauptschullehrerausbildung 2004. Bayernweit wurden damals Stellen gekürzt. Das war
einerseits ein Verlust für Bayreuth, weil Traditionen nicht weiterentwickelt werden konnten, von denen ich überzeugt bin, dass sie gut waren. Auf der anderen Seite konnten wir den Ruf
als profilorientierte Universität stärken.
Frage: Würden Sie eine Entscheidung aus heutiger Sicht rückgängig machen wollen?
Ruppert: Eigentlich würde ich heute nichts anders machen. Es gab die eine oder andere Berufung, wo man sich von einzelnen Hochschullehrern mehr erwartet hat.
Frage: Was hat Sie enttäuscht?
Ruppert: Es gibt manchmal eine Enttäuschung, wenn man etwas bewegt und von der anderen Seite erst Sicherheit gefordert wird. Seit der Gründung der Universität
Bayreuth hat man Ideen realisiert und ist auch mal ins kalte Wasser gesprungen. Jetzt, in einer entwickelten Universität stößt dieser Pioniergedanke teilweise auf Widerstand.
Frage: Welches waren die schönen Momente?
Ruppert: Man freut sich immer, wenn die eigene Arbeit Anerkennung findet. Ich war vier Jahre Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, weil meine Kollegen der Meinung
waren, dass ich im Bereich Lehre und Studierende gute Arbeit leisten kann. Wir haben insbesondere das Konzept Bachelor und Master auf den Weg gebracht. Die relativ schnelle Umsetzung in
Deutschland ist eine Bestätigung für mich.
Frage: Welche Eigenschaften müssen den Präsidenten der Uni Bayreuth auszeichnen?
Ruppert: Man muss Freude am Gestalten haben. Man muss auch zuhören können. Man muss andere beteiligen und deren Rat einbeziehen. Aber am Schluss muss man selber
entscheiden und die Verantwortung übernehmen. Es gäbe nichts Schlimmeres als einen Präsidenten, der nur hin und her abwägt und zu keiner Entscheidung kommt. Das würde die
Universität lähmen.
Frage: Wenn Sie an Ihrem letzten Arbeitstag das Büro verlassen. Wessen Telefonnummer wählen Sie als letzte?
Ruppert: Die letzte offizielle Nummer ist die des Ministers, um mich zu verabschieden. Ich werde aber einer ganzen Menge von Leuten schreiben, mit denen ich gut
zusammengearbeitet habe. Den Kontakt werde ich als Privatperson aufrechterhalten.
Frage: Wie verbringen Sie die ersten Tage im Ruhestand?
Ruppert: Am ersten April stehe ich später auf (lacht). Ich werde die ersten Tage mit meiner Familie verbringen. Das habe ich meiner Frau, meinen Kinder und Enkelkindern
versprochen.
Frage: Und anschließend: Welche Aufgabe stellen Sie sich?
Ruppert: Es gibt Angebote von verschiedenen Institutionen. Ich bin da relativ zurückhaltend. Wir erleben zurzeit einen starken Umschwung hin zur Systemakkreditierung. Da bin
ich mit meiner Erfahrung als Präsident zur Mitarbeit bereit. Aber ansonsten will ich kürzer treten und dem Privaten einen größeren Raum geben.
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