14.02.2009, 16:00 Uhr
VEITSHÖCHHEIM. So nahe waren sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Vorgänger Günther Beckstein in letzter Zeit wohl selten. Seit an seit standen die beiden Politiker nach dem Ende der Fernseh-Faschingssitzung "Fastnacht in Franken" am späten Freitagabend auf der Bühne der Mainfrankensäle in Veitshöchheim.
Beckstein als "Zenzi" im traditionellen bayerischen Dirndl mit blonder Perücke, der Chef der Christsozialen im gedeckten dunklen Smoking mit einem Federhut der Ingolstädter Karnevalsgesellschaft auf dem Kopf. "Ich möchte mit dem Günther Angeln gehen", gab Seehofer eine Liebeserklärung an "Zenzi" Beckstein ab. Der meinte zu seiner Verwandlung, man müsse sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen können. "Wie ich vor dem Spiegel gestanden habe, habe ich mir gedacht: Nie mehr einen Anzug", witzelte der Nürnberger. Und dann ließ er noch einen kleinen ironischen Seitenhieb im Bezug auf den Besuch auf die Faschingssendung des Bayerischen Rundfunks (BR) heraus: "Ich hätte beinahe gesagt, wenn man nicht mehr im Amt ist, ist es noch schöner."
So konnte sich Beckstein über den Beistand der Franken freuen, während Seehofer sein Fett abbekam. Sitzungspräsident Bernd Händel witzelte etwa über die häufigen Wechsel an der Spitze der bayerischen Regierung: "Es ist mir vergönnt, in meiner vierten Ausgabe bereits den dritten bayerischen Ministerpräsidenten zu begrüßen." Die Altneihauser Feierwehrkapell'n nahm ebenfalls die Personalwechsel aufs Korn. So viel wie die CSU verlor, sei Horst der letzte Schuss im Rohr. Obwohl er in der Partei wegen seiner vielen Querschüsse ja nicht der Favorit gewesen sei: "Doch wenn's der CSU pressiert, ist einer sofort umlackiert. Mal sehen, ob der Bayern nutzt und nächstes Jahr noch drunten sitzt", dichtete Norbert Neugirg. Peter Kuhn als "Mathematikprofessor" beleuchtete die bayerische Arithmetik. Seit Jahren sei hier 50 plus X für die CSU fix gewesen. "Man hielt da X für die Konstante, doch X ist eine Unbekannte. Da ging letztendlich so viel schief und X war plötzlich negativ", reimte er.
Ganz entspannt verfolgte Beckstein das närrische Treiben. Ihm wurde von seinen Landsleuten immer wieder Sympathie entgegengebracht. "In Franken hingen seine Plakate noch drei Wochen nach der Wahl - damit man sich in die Kondolenzbücher eintragen konnte", kommentierte Michl Müller die Ausbootung des früheren Ministerpräsidenten und vergoss einige Tränen über dessen Abschied. Volker Heißmann erklärte die Mainfrankensäle gar zum "Beckstein-Schutzgebiet". Kurzfristig ließen sich die Narren auch etwas zu dessen spektakulärer Verkleidung einfallen. "Günther trägt Margas Inventar, das beim Oktoberfest verschollen war", lästerte Feuerwehrmann Neugirg. Nach gut dreieinhalb Stunden Sendung zeigte sich Ministerpräsident Seehofer erleichtert und begeistert. Er habe zuvor die "bloße Angst" vor den Witzen der Aktiven gehabt, denn "ich habe ja genug Stoff geliefert in den letzten Jahren".
Der CSU-Chef lobte die Sitzung als "Hochamt der fränkischen Kultur". Verständnisprobleme habe es dabei nicht gegeben, sagte er beim anschließenden Empfang im Haus der Begegnung
auf ddp-Anfrage. "Ich habe alles verstanden, sprachlich und auch den Hintersinn", sagte der Ingolstädter. Das eine oder andere habe ihn auch nachdenklich gemacht, "aber das gebe ich nicht
zu." "Passt scho so", kommentierte Seehofer schließlich sein Outfit in Stoiber-Tradition. Und er versprach, sich auch 2010 dem Spott der Narren zu stellen: "Wenn ich nächstes Jahr noch
im Amt bin, komme ich wieder." Ansonsten könnte Sitzungspräsident Bernd Händel in fünf Jahren den vierten Regierungschef begrüßen.
ddp
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