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15.01.2009, 12:03 Uhr

 

„Eine absolute Bombe“

Vor sechs Jahren war der Name Hurricane Sound zum ersten Mal auf einem Flyer zu lesen. Seitdem gehört die „Dancehall X-Plosion“ fest zur Bayreuther Party-Szene. Heute Abend wird deshalb im Kolpinghaus richtig gefeiert. x-bay-Macherin Susanne Lindner hat sich vorab mit den MCs E.N.S. (26) und Rojah (23) von Hurricane Sound unterhalten.

 

x-bay: Hurricane Sound bezeichnet sich als Soundsystem nach jamaikanischem Vorbild. Was bedeutet das?

E.N.S.: Wir sind der vielleicht größte Gegensatz zum klassischen DJ-tum, das man vom Techno oder House kennt. Zusätzlich zu den DJs gibt es einen MC, der am Mikrofon ist, aber keine eigenen Songs performt. Den MC muss man sich ein bischen wie einen Radiomoderator vorstellen. Er sagt die nächsten Songs an, macht Stimmung und heizt die Leute an.





x-bay: Bayreuth ist jetzt nicht gerade eine Reggae-Hochburg. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Soundsystem zu gründen?

E.N.S.: Das ist so wie mit vielem. Man hat es mal auf einem Tape gehört oder ein Video gesehen. Reggae empfand ich damals als angenehm und als nicht ganz so coole Alternative zum HipHop.





x-bay: Wie kam eure Musik damals in Bayreuth an?

E.N.S.: Von der ersten Party an war es eine absolute Bombe. Was uns total überrascht hat. Wir haben Ende 2002 die erste Dancehall X-Plosion im Komm veranstaltet und es kamen 500 Leute. Wir hatten damals das Glück, den Zahn der Zeit zu treffen.





x-bay: Andere Veranstalter verzweifeln, weil keine Leute zu ihren Partys kommen. Wieso hat es bei euch geklappt?

E.N.S.: Wir haben die Leute schon mit 16 Jahren bis 24 Uhr rein gelassen und die Ausweise eingesammelt. Aber es gab Leute, die schon um 21 Uhr an die Tür geklopft haben, wenn wir noch nicht offen hatten. Was das betrifft, waren wir verwöhnt. Zur selben Zeit haben wir auch angefangen, die Regular-Partys „Bay-Root Bashment“ in Nürnberg zu veranstalten. Da war es nicht viel anders. Die Location dort war etwas kleiner, aber wir haben auch dort voll reingetroffen. Wir hatten einfach vom Timing her wahnsinniges Glück.





x-bay: Wie kamt ihr als Bayreuther zu einer festen Location in Nürnberg?

E.N.S.: Im ehemaligen Rosalectro neben dem Rosa Rosa gab es früher einmal im Monat Reggae. Dafür kam Dead Mike, der jetzt auch bei uns ist, aus Auerbach nach Bayreuth. Auf einer längeren Autofahrt hatten wir eine Menge Zeit zu quatschen und haben gemerkt: das passt. Wir wollten etwas zusammen machen und die Idee mit Nürnberg kam dann von Mike, der dort auch ein paar Leute kannte.





x-bay: Ihr seid mit eurer Musik deutschlandweit und auch im Ausland unterwegs. Wie kam das?

E.N.S.: Auch super schnell. Es kam viel zusammen. Gardener und Mike waren zu dieser Zeit arbeitssuchend und ich habe mein Studium nicht ernst genommen. Wir hatten also nichts anderes zu tun als unseren Sound zu publizieren. Wir haben Clubs angeschrieben, mit Leuten telefoniert, unsere Homepage gemacht und haben von vornherein Vollgas gegeben.





x-bay: Ihr wurdet 2005 mit dem German Reggae Award für das beste Soundsystem ausgezeichnet ...

E.N.S.: Der Award war eine 50:50 Wertung aus der Meinung der Jury und einem Online-Voting. Da haben wir halt unseren ganzen Freunden Bescheid gesagt.





x-bay: Hat sich Hurricane Sound seit seinen Anfängen verändert?

E.N.S.: Die Musik hat sich nur dahingehend geändert, dass wir auch neues Zeug spielen. In den vergangenen acht Jahren hat sich auf Jamaika wahnsinnig viel getan. Von dem her hat sich die Musik schon verändert, aber das ist ein natürlicher Prozess. Ansonsten sind wir einfach routinierter und besser geworden.





x-bay: Wart ihr schon einmal auf Jamaika?

E.N.S.: Nein, leider nicht. Ich will aber nicht als Touri im Hotel sitzen. Und einfach nur alleine rüber fahren und sagen: Servus, ich bin der Typ aus Deutschland und will jetzt hier in Studios rumhängen und Leute kennenlernen ist hart. Jamaika hat eine der höchsten Mord- und Kriminalitätsraten auf der Welt. Wir kennen einfach ziemlich wenig Leute da drüben und sind deshalb vorsichtig.





x-bay: Bei Hurricane Sound wart ihr die ganzen Jahre über zu Dritt. Wie kam Rojah dazu?

E.N.S.: Man wird ja immer älter (lacht). Es ist natürlich immer gut, mal ein bisschen junges Blut mit reinzunehmen. Außerdem hatte ich gerade meine Examensprüfungen und keine Zeit. Fünf Monate war ich als einziger MC nur mit lernen beschäftigt. In dieser Zeit alle Gigs abzusagen wäre schlecht gewesen. Da Rojah als MC bei den Soundselectors war, war es naheliegend. Außerdem wollten wir ihn als Rojah Phad Full unterstützen.

Rojah: Ich bin als MC, der die Leute anheizt, fest bei Hurricane dabei. Rojah Phad Full gehört aber auch dazu. Deshalb trete ich auch mit meinen Sachen auf.



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