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07.01.2009, 15:00 Uhr

 

Draußen Buhs, drinnen Beifall

Von Gert-Dieter Meier

BAYREUTH. Sie wird damit gerechnet haben: Als Monika Hohlmeier am Dreikönigstag kurz nach 10 Uhr zu Fuß die Sudpfanne in Oberkonnersreuth ansteuerte, war ihr Aufmerksamkeit gleich von zwei Seiten gewiss.

 

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Ihr Empfangskomitee: Hie eine Handvoll Fotografen und Kameraleute, da ungefähr 25 Menschen, die ein paar Transparente („Moni bleib mit deinen Koffern in Oberbayern“, „Aus München geschasst, in Bayreuth gehasst“, „Nein, Frau Hohlmeier!“) und Frankenfähnchen in die Höhe hielten und dezent Buh riefen.

Die Tochter von Franz Joseph Strauß federte die kleine Protestwelle, die BILD gestern gleich zur „Hass-Demo gegen Hohlmeier“ adelte, elegant ab. Indem sie direkt auf die Menschen, die sie offenbar im Frankenland nicht haben wollen, zuging, Hände schüttelte, dem Missmut ein Lächeln entgegensetzte. Und sich Minuten später mit einem Frankenfähnchen in der Hand in Richtung König-Ludwig-Saal aufmachte. In dem sie ungleich herzlicher begrüßt wurde als draußen, vor der Tür. Denn dort war sie die mit Spannung erwartete Hauptrednerin beim Neujahrsempfang der Bayreuther CSU.

Unterstützung von Beckstein

Dr. Oliver Junk, Fraktionschef der Christsozialen im Stadtrat, redete nach einem klaren Ja zum Erhalt der Regierung in Bayreuth („Alle diejenigen, die die Bezirksregierung in Bayreuth in Frage stellen, finden in unserer Partei keine Unterstützung“) vor zahlreichen Spitzenvertretern aus Politik, Wirtschaft und öffentlichem Leben die erste Neujahrempfnags-Demo in der Bayreuther CSU-Geschichte geschickt klein. Es zeuge doch von der Bedeutung der Volkspartei CSU, wenn so etwas möglich sei.

Und auch Hartmut Koschyk, der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Fraktion im Bundestag, hielt sich nicht lange mit der Personaldiskussion Hohlmeier auf. Auch wenn die fränkische Seele derzeit verletzt sei, solle man Hohlmeier doch eine Chance geben. Die Chance nämlich, aus Oberfranken eine nutzbringende Politik für Oberfranken zu machen. Einer, der Hohlmeiers Kandidatur befürworte, ist übrigens selbst Franke: Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein, das kündigte Koschyk an, werde Hohlmeier im Wahlkampf unterstützen. Nicht unerwähnt ließ Koschyk dann auch, dass Hohlmeier beileibe nicht der erste „Politik-Import“ sei. Der Europaabgeordnete Joachim Wuermeling, die Oberbürgermeister Wild, Mronz und Hohl, schließlich auch er selbst seien von außen gekommen, um hier Dinge zu bewegen.

Monika Hohlmeier, die mit ihrer Tochter Michaela angereist war, beteuerte, dass sie sich im Falle ihrer Wahl mit ganzer Kraft für Oberfranken einsetzen werde. Das sei auch geboten, nachdem schon heute 85 Prozent aller deutschen Gesetze aus Brüssel bestimmt seien. Die CSU sei die einzige Partei, die bei dieser Wahl antrete mit dem Ziel, möglichst alle Bezirke im Europäischen Parlament zu repräsentieren. Um dieses Ziel zu erreichen, brauche die CSU acht bis neun Mandtagsgewinne.

Handeln statt Warten

Dass sie in Oberfranken antrete habe nichts damit zu tun, dass sie mit aller Macht ein Pöstchen anstrebe. „Ich habe kein Versorgungsproblem. Ich muss nicht versorgt werden. Ich bin eine gestandene Frau, mir geht’s gut.“ Es habe auch Angebote aus der Wirtschaft gegeben. Zudem sei sie bei den Landtagswahlen „sehr gut gewählt“ und hätte als erste Nachrückerin alle Chancen gehabt, in den Landtag einzuziehen. Hohlmeier: „Ich wollte aber nicht abwarten, sondern mich einsetzen“.

Ausdrücklich betonte Hohlmeier, dass die Entscheidung für Oberfranken keine kurzfristige Angelegenheit sei: „Ich möchte hier in fünf Jahren wieder antreten“. Sie nehme ihre Kandidatur und ihren Auftrag für Oberfranken ernst. Hohlmeier: „Durchsetzen kann ich mich. Und das will ich für Oberfranken tun.“

Starker Beifall

Oliver Junk sagte Hohlmeier, die nach ihrer Rede starken, wenn auch keinen frenetischen Beifall bekam, die Unterstützung der CSU Bayreuth zu, denn: „Wir brauchen die europäische Ebene, um hier erfolgreich Politik zu machen.“

Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl rief nicht nur die Wirtschaft auf, gerade in kritischen Zeiten gute Nachrichten („Ich weiß, dass es sie gibt“) publik zu machen, sondern appellierte auch an die CSU, den Europawahlkampf anzunehmen und leidenschaftlich zu führen. Mit Monika Hohlmeier. Dass über diese Kandidatur auch an der CSU-Basis heftig diskutiert wird, schmerzt Hohl indes kaum: „Das ist gesunde, gelebte Demokratie“.




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