23.11.2008, 14:02 Uhr
Von Felix Reichstein
BAYREUTH. Carlos Fassanelli (44) hat es auf seine Art geschafft: Der HIV-Positive (der KURIER berichtete) sang sich am Samstag abend mit seiner emotionalen Frank-Sinatra-Version von „My Way“ in die Herzen der über sechs Millionen „Supertalent“-Zuschauer. Doch am Ende wurde es richtig knapp für den sympathischen Bayreuther – die Jury um Dieter Bohlen (54) zog den Joker und schickte Carlos ins Finale.

00:35 Uhr in Köln. Vier der zwölf Kandidaten wurden bereits per Telefonabstimmung ins Finale gewählt, Carlos Fassanelli ist nicht dabei. Jetzt bestimmt die Jury den fünften und letzten Finalisten. Jury-Chef Dieter Bohlen bittet Ex-Hochseilartist Anthony Bauer (36) aus Nürnberg und Carlos auf die Bühne. Bohlen bekennt: „Beide Auftritte sind uns wirklich ans Herz gegangen.“ Dann schreitet der „Pop-Titan“ zur Entscheidung: „Ihr beide habt Schicksale erlebt. Für euch ist der Tod allgegenwärtig. Und deshalb ist es natürlich auch für uns wahnsinnig schwer zu sagen, wer weiter kommt. Es gibt einen von euch Beiden, bei dem wir glauben, dass es eventuell die einzige und vielleicht auch die wirklich allerletzte Chance für ihn ist. Und deshalb haben wir uns letztendlich für Carlos entschieden.“
Riesen-Jubel im Studio. Carlos schlägt die Hände vors Gesicht. Er kann es nicht glauben. „Ich wollte natürlich meinen Namen hören. Und als ich ihn gehört habe
dachte ich, ich breche zusammen. Das war Spannung pur, von Anfang bis Ende“, sagt Carlos nach seiner sechsstündigen Heimreise aus Köln zum KURIER.
So ganz überrascht sei der 44-Jährige vom knappen Ausgang nicht gewesen. „Ich habe schon damit gerechnet, dass die Entscheidung zwischen Anthony und mir getroffen wird. Denn wir
sind zwei Sänger der selben Musikrichtung.“ Jetzt steht Carlos am kommenden Samstag im Finale der besten Zehn – aus über 10 000 Bewerbern. „Ich bin selber
überrascht. Daran habe ich beim ersten Casting nicht geglaubt. Ich dachte dass ich die erste Runde überstehe, vielleicht auch bis ins Halbfinale komme. Aber mit dem Finale habe ich
ehrlich nicht gerechnet“, sagt Carlos im Gespräch mit dem KURIER.
Der gebürtigen Argentinier sang vor 6,14 Millionen Fernseh-Zuschauern den Song „My Way“ in seiner
Muttersprache Spanisch (mehr...) und begeisterte damit Jury und Publikum. Auch Dieter Bohlen lobte den 44-Jährigen: „Carlos, ich liebe Kämpfer und du bist auch einer. Man
sieht, wenn man an sich glaubt kann man Berge versetzen. Das du so an dich glaubst, das finde ich gut an dir.“
Das „Supertalent“ wird von den Zuschauern gewählt. Ist jetzt auch der Final-Sieg drin? „Das wird knapp. Es kommt ganz darauf an, was ich nächste Woche von mir
gebe“, „My Way“ wird es nicht sein, sagt Carlos auf Nachfrage: „Da kommt etwas anderes.“ Die größten Sieg-Chancen habe Mundharmonika-Spieler Michael Hirte
– „für ihn würde ich mich freuen. Mir ist es nicht wichtig, zu gewinnen. Ich habe von Anfang an gewonnen, denn ich habe es geschafft“ – auf seine Art.
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