27.06.2008, 12:40 Uhr
Bunte Ballons gegen braune Parolen
Von Anna Ihl und Gunter Becker
BAYREUTH. Luftballons, Wasserbomben, Seifenblasen, Trillerpfeifen und Sprechgesänge: Mit friedlichen Mitteln haben gestern rund 300 junge Menschen der oberfränkischen NPD eine Wahlkampfkundgebung in der Maxstraße verleidet. Nach zwei Stunden baute die NPD ihren Infostand wieder ab.
Einen Infotisch mit kurzen Redebeiträgen hatte der NPD-Bezirksverband Oberfranken bei der Stadt Bayreuth beantragt. Drei Stunden lang sollte nahe dem Ehrenhof die NPD-Propaganda verbreitet
werden, sogar der stellvertretende Bundesvorsitzende und der oberfränkische Spitzenkandidat sollten Reden halten, doch die Studenten spielten ihnen auf humorvolle Weise einen dicken bunten
Streich. Nachdem die Ankündigung der NPD im Internet entdeckt worden war, verabredeten sich Studenten der Bayreuther Universität für ein Verhinderungs-Happening in der
Maxstraße. Zahlreich und bunt bekleidet sollten sie erscheinen, Luftballons mitbringen und Trillerpfeifen. Selbst die Fahrradrikscha des Weltladens Die Brücke wurde aktiviert, um
Toleranz-Fahrten durch die Fußgängerzone zu absolvieren.
Kurz vor 16 Uhr erschien ein Fahrzeug mit Bamberger Nummer, beladen mit Lautsprechern, das erst auf dem Ehrenhof geparkt wurde. Die beiden Insassen schienen ratlos. Erst als Polizisten mit
weiß-rotem Band einen Platz vor dem von der Regierung von Oberfranken genutzten Anwesen Nummer 6 absperrten, wurden die NPD-Vertreter wieder aktiv. Sie fuhren ihr Auto auf das zugewiesene und
mittlerweile von zahlreichen Polizisten bewachte Areal und begannen, ein Rednerpult auszuladen.
Doch weder Polizei noch NPD hatten mit der Schnelligkeit der Demonstranten gerechnet. Eine Gruppe von etwa 20 Personen drang in den Bereich ein und ließ sich auf der Eingangstreppe nieder.
Nun mussten die mittlerweile zu einem kleinen Grüppchen angewachsenen NPD-Aktivisten die lautstarken Aufforderungen, endlich nach Hause zu gehen, von drei Seiten ertragen. Jede Regung, jeder
Versuch einer Ansprache von Seiten der NPD wurde mit Rufen wie „Haut ab“ und „Bunt statt braun“ im Keim erstickt.
Nach knapp zwei Stunden nahm die braune Kundgebung ein verfrühtes Ende: Die NPD’ler packten wieder ein und wurden von einer rund 24 Mann starken Polizeieskorte aus dem
„Gefahrenzentrum“ Innenstadt begleitet. Die friedliche Demo löste sich auf. Selbst die Klobürste, die eine Demonstrantin geschwenkt hatte, war nicht beschlagnahmt
worden.
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