Die 27-Jährige vertreibt ihre Fan-Artikel über das Internet und die Seite
www.zugastbeiverlierern.at. Auf Mails, in denen
„Anpfiff“ oder „Rückpass“ in der Betreffzeile steht, antwortet sie persönlich. Trotz des unerwarteten Geschäftserfolgs ist ihr Unternehmen nach wie vor ein
Ein-Frau-Betrieb. Lediglich für den Vertrieb ihrer Produkte und die Programmierung ihrer Website arbeitet sie mit Partnern zusammen.
Modedesignerin wurde die Grazerin, die sich sonst um den Entwurf von Logos, Corporate Design oder Branding kümmert, nur durch Zufall. Denn die „Verlierer“-Idee entstand im Urlaub
mit Freunden, „beim Kaffeetrinken im Südtirol am helllichten Nachmittag“, wie sie im Interview erzählt. „Wir unterhielten uns über die WM in Deutschland und
blickten in die Zukunft und scherzten – und aus ,Zu Gast bei Freunden’ wurde ,Zu Gast bei Verlierern’.“ Selbstironisch stellten sie sich innerlich auf die Niederlage der
Alpenrepublik ein.
Nun ist das glanzlose Ausscheiden Wirklichkeit geworden. Verärgert ist Stefanie Schöffmann darüber nicht, aber „schade find’ ich’s schon, dass wir draußen
sind. Ich hätt’s den Österreichern gegönnt, wenn sie weitergekommen wären. Lustig find’ ich, dass gleich beide Gastgeber aus dem Spiel sind, die Schweizer
hätten zumindest laut Tabellen-Ranking bessere Chancen gehabt.“ Die Stimmung auf den Straßen beim Spiel gegen Deutschland sei „sehr mitreißend“ gewesen, „dass
hätte bei einem Gewinn von Österreich noch eine Zeit lang angehalten.“
Mal sehen, ob sich ihre rot-weißen Artikel – Tops, Kapuzenjacken, Käppis, Schweißbänder, Umhängetaschen, Buttons – nun noch besser verkaufen. „Ich finde
es sehr sympathisch, wenn man über sich selber schmunzeln kann“, sagt Stefanie Schöffmann. Auch die vielen lobenden Reaktionen auf ihre „Verlierer“-Kollektion zeigten,
dass „die Idee verstanden“ wird. Österreicher, Schweizer und Deutsche bestellten die Produkte, sogar Anfragen aus Übersee erreichen sie. Sätze wie „Österreich
startet die Charmoffensive“ oder „Charmant sind sie schon die Österreicher“ bekomme sie immer wieder zu hören. Selbst eingefleischte, österreichische Fussballfans
seien von ihrem Ansatz begeistert. „Am Ende ist nicht wichtig, wer gewinnt oder verliert. Das Spiel, der Spaß, die Euphorie, das Miteinander sind viel wichtiger“, meint die
Designerin.
Komplett in die Modebranche wechseln will sie aber nicht: „Nur einfach schöne T-Shirts machen, find’ ich uninteressant. Da muss schon mehr dahinter stecken.“
Also wird sie bald wieder weiter als selbstständige Grafikdesignerin ihr Geld verdienen. Viele Projekte musste sie wegen ZGBV zurückstellen, weil es mehr Zeit in Anspruch genommen habe,
als sie dachte. „Das hat mich alles ein bisschen überrollt“, sagt sie und berichtet von ihrem mit Kurverts und Taschen überquellenden Büro. Deshalb sehnt sie sich nach
einer Auszeit. Fußballschauen muss sie ja jetzt sowieso nicht mehr.