1000 Felsnägel schützen vor Steinschlag

Die relativ schmale Straße, die sich entlang der Kainach nach Wonsees schlängelt, ist deshalb nicht befahrbar. Über die grünen Hänge ragen große Felsen aus Kalkstein, wie sie typisch sind für die Fränkische Schweiz. Über Leitern klettern die Männer nach oben und ebnen sich einen Weg durch das Gehölz. Vorarbeiter Schell koordiniert die Arbeiten: "Zuerst mussten wir einige Bäume fällen, um Platz für die Schutzzäune zu schaffen, die wir nächste Woche errichten wollen." In die Bohrlöcher, die jetzt schon im weißen Jura zu sehen sind, werden Anker eingelassen und fest betoniert. Sie sollen zum einen die Felsköpfe festigen, zum anderen sollen sie später das Netz aus Stahlseilen halten, das über die instabilen Felsen gezogen wird. Die Fundamente für die Schutzzäune werden gerade gelegt.

Gefährliche Steinschläge

Denn immer wieder kommt es in der Karstlandschaft zu gefährlichen Steinschlägen. "In den Bereichen, die momentan gesichert werden, wurden in der Vergangenheit wiederholt Steinfunde auf der Straße gemeldet", sagt Günter Landgraf, Technischer Angestellter im Staatlichen Bauamt in Bayreuth. Deshalb seien die betreffenden Hangabschnitte von einem Geologen begutachtet worden. Auf Grundlage des geologischen Gutachtens seien die Sicherungsarbeiten geplant worden, die vor einer Woche begonnen haben.

Steinfunde auf Fahrbahn

Die heiklen Strecken werden von den Mitarbeitern der Straßenmeisterei regelmäßig kontrolliert. Auffälligkeiten wie Steinfunde auf der Fahrbahn, werden dem Bauamt mitgeteilt. Nach einer Besichtigung der Stelle wird entschieden, ob weiterer Handlungsbedarf bestehe, erläutert Fritz Baumgärtel, von der Abteilung Straßenbau.

Felsarbeiter mit Spezialausbildung

Bei Kainach sind einige Felsen lose oder zerklüftet, so dass die Einzelblöcke zu sichern sind, wie Schell berichtet. In der Höhenlage zu arbeiten, ist nicht ungefährlich. "Das ist schon alles mit Vorsicht zu genießen", weiß der erfahrene Vorarbeiter. "Wir sind mit Seilen oben und müssen hoch- und runterklettern." Für diese Tätigkeit sei eine Spezialausbildung nötig. Wer diese nicht habe und nicht mit der Ausrüstung umgehen könne, werde von seinem Arbeitgeber gar nicht eingestellt. Handwerkliche Arbeit in steilem Gelände in beträchtlicher Höhe, ist nicht jedermanns Sache. In der Fränkischen Schweiz müssen sie 30- bis 40 Meter hoch klettern. "Aber wir sind auch im hochalpinen Gelände unterwegs, zum Beispiel auf der Zugspitze."

Netzen halten tonnenschwere Felsen

Und so gehen die Spezialkräfte vor: Direkt am Fahrbahnrand angrenzende Felsböschungen werden mit einem Maschengitter aus Stahldraht bespannt. Über ein Raster aus Felsnägeln wird es im Untergrund verankert. "Felsnägel sind geriffelte Stahlstäbe mit einem Durchmesser von zirka drei Zentimetern die mit Mörtel im Bohrloch verpresst werden", schildert Baumgärtel die Vorgehensweise. Stellenweise würden einzelne, große Felsblöcke mit sogenanntem Hochleistungsgeflecht überzogen. "Das sind Netze, die meist nicht aus Stahldrähten, sondern Stahlseilen bestehen und dadurch Blöcke mit größerem Gewicht an Ort und Stelle halten können."

230 Meter langer Steinschlagzaun

Wenn die Steinschlaggefahr weiter von der Straße entfernt sei, werde auf Steinschlagschutzzäune zurückgegriffen. Was verhindern soll, dass in wertvolle Naturschutzflächen eingegriffen werde. Die Zäune, die an der Staatsstraße aufgestellt werden, sind zwischen 2,5 und 3,0 Meter hoch. Alles in allem werden 2400 Quadratmeter Schutznetz und 230 Meter Steinschlagschutzzaun errichtet. Das bedeutet, dass etwa 1000 Felsnägel gebohrt werden müssen.

Enger Zeitplan

Da die Felssicherungsarbeiten sehr umfangreich sind, dauern sie voraussichtlich bis in den Herbst. "Der Zeitplan ist eng gesteckt", sagt Schell. "Daher werden wir wohl bald unsere Mannschaft verstärken müssen." Außerdem hofft er auf eine längere Schönwetterperiode. Denn im Regen an rutschigen Felsen zu hantieren, ist selbst für Profis kein Vergnügen.

Info: Die Umleitung ist ausgeschildert. Sie führt von Hollfeld kommend über die Staatsstraße 2191 in Richtung Stadelhofen sowie weiter über die Staatsstraße 2190 nach Kasendorf (genauso in entgegengesetzter Richtung). Die Bauarbeiten sollen zum Ende der Sommerferien abgeschlossen sein.

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