100 Aktenordner voller Geschichte

Eichner will die Heimatgeschichte für die kommenden Generationen aufschreiben. Früher taten dies Pfarrer oder Lehrer. Doch vieles hat sich geändert. „Die Leute erzählen sich gegenseitig nichts mehr, es wird Vieles an Fotos und Dokumenten weggeworfen. Da blutet einem das Herz“, klagt er. Die Ortsgeschichte lässt er sich von Zeitzeugen erzählen, oder er forscht beispielsweise im Staatsarchiv Bamberg, im Eisenbahnarchiv Nürnberg oder im Kirchenarchiv.  

Mit dem Pferd ins Wirtshaus

Aktuell sind zwei neue Bücher in Arbeit. Einmal plant Eichner einen Ergänzungsband zum ersten Heimatbuch „Harsdorf im Trebgasttal. Eine Gemeinde im Wandel der Zeit“, das er 2023 zum 625-jährigen Gemeindejubiläum herausbringen will. Das zweite Werk soll „Harsdorfer Gschichtla“ heißen, es soll 2018 erscheinen und Anekdoten enthalten. Etwa diese: Eine Frau ritt mit ihrem Pferd in das Oberlaitscher Wirtshaus rein – aus Gaudi. Das war Ende der 80er Jahre. Oder: Bei massiven  Rüttelarbeiten neben der Bank in Harsdorf lösten die Bauarbeiter die Alarmanlage und damit einen Sondereinsatz der Polizei aus.

Ein privates Gemeindearchiv

Die Kommune bewahrt im Gemeindezentrum Archivunterlagen auf, doch diese sind laut Eichner nicht sortiert und in Packpapier eingewickelt. Parallel dazu hat er selbst inzwischen rund 100 Aktenordner Material zusammengetragen. „Das ist immer mehr geworden, ich baue ein privates Gemeindearchiv auf.“ Die Unterlagen sind in einem Register geordnet, reichen von 1398 bis ins laufende Jahr. 1398 wurde Harsdorf in einer Steuererhebung erstmals erwähnt, die Urkunde  liegt im Staatsarchiv Bamberg.

Suche nach Sponsoren

Über den Winter verbringt der Hobbyforscher jeden Tag bis zu 15 Stunden in seinem Büro, um für die neuen Bücher zu arbeiten. „Ich bin absoluter Einzelkämpfer“, sagt er ein bisschen trotzig. Von der Bevölkerung wünscht er sich mehr Unterstützung beim Erforschen örtlicher Gegebenheiten. Zur Finanzierung der beiden neuen Werke sucht Eichner Sponsoren, es geht um eine Summe von insgesamt 25 000 bis 30 000 Euro. „Sollten sich keine finden, werde ich die Arbeiten abbrechen“, betont der gebürtige Harsdorfer unmissverständlich.

Porträts mit Leinwand

Eichner geht systematisch vor. Wenn er erfährt, dass ein Haus in der Gemeinde umgebaut wird, fertigt er Fotos vor, während und nach Abschluss der Arbeiten. Dies gilt auch für Neubaugebiete oder andere größere Projekte. Seine Sammlung zählt Zigtausende von Fotos ab dem Jahr 1900, sie müssen zum Teil noch geordnet werden. Besonders interessant sind Hunderte von Luftaufnahmen des Gemeindegebietes ab 1961, die Eichner teilweise selbst fertigte. Sie dokumentieren, wie sich der Ort und seine Dörfer veränderten. Sehenswert sind auch Porträts von Einwohnern, die ein Profi um das Jahr 1900 knipste. Der Fotograf spannte als Hintergrund eine Leinwand auf, vorne sieht man noch den blanken Boden, der mit Stroh bedeckt ist. Die Dreschmaschine erleichterte der Landbevölkerung die Arbeit, sie war ein beliebtes Fotomotiv. Weitere  Bilder aus der Zeit um 1920 zeigen den Dorfplatz mit Brunnen, Weiher und Enten.  Es war einmal...     

1000 Briefe in alle Welt

Rund 1000 Briefe hat Eichner in alle Welt verschickt, um nach alten Schriften oder Bildern zu suchen. „In Neuseeland, Kanada und in den USA leben Harsdorfer“, erzählt der Hobbyforscher. Viele seien in die USA ausgewandert, hätten US-Soldaten geheiratet, oder sich beruflich ins ferne Ausland verändert. „Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, setzte ich alle Hebel in Bewegung, um es zu erreichen“, beschreibt er seine Arbeitsweise. Die Forschungsergebnisse machen ihn „ein bisschen stolz“. Tausende von Stunden hat er investiert, Zigtausende Kilometer ist er mit dem Auto gefahren – „mir macht das wahnsinnig viel Spaß“.

In unserer schnelllebigen Zeit sei es wichtig, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen, lautet sein Credo. Und er ist hartnäckig: So zog er von Haus zu Haus, um historisches Material ausfindig zu machen. Dieter Eichner ist ein geschichtsbewusster Idealist, der nicht so schnell aufgibt.

Bürgermeister: Zuschuss möglich

Die Gemeinde werde Dieter Eichner im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen, versichert Bürgermeister Günther Hübner. Bei den beiden geplanten neuen Büchern werde der Gemeinderat sicherlich darüber beraten, einige Hundert Euro Zuschuss zu geben und auch Bücher abnehmen. „Es ist begrüßenswert, wenn sich Dieter Eichner die Mühe macht“, lobt Hübner. Ein Gemeindearchiv gebe es derzeit noch nicht, es sei geplant, einen entsprechenden Raum zu schaffen. Dann werde man mit Hübner darüber reden, ob er seine Unterlagen zur Verfügung stellt.

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